Am 10. Februar 2024 eröffnet die Vorona Galerie in Berlin die Ausstellung „Focus“ mit Werken von Anastasia Tory, einer Keramikerin und Bildhauerin aus Odessa. In der Ausstellung geht es darum, wie eine Künstlerin, die zum Exil geworden ist – entwurzelt aus ihrer gewohnten Umgebung, ohne Werkzeug und Material, ohne Atelier oder festen Wohnsitz, – zu schaffen beginnt und sich damit über die Katastrophe erhebt, einen neuen Atem und eine Wiedergeburt eröffnet und inmitten der anhaltenden Desaster ein Gleichgewicht findet.

Jeder Mensch muss in seinem bewussten Leben durch Prüfungen gehen, Verluste beklagen, den Zusammenbruch von Hoffnungen und Idealen erleben. Das Leid macht manche Menschen weiser und stärker, während es andere vernichtet. Die Erfahrung, ein Flüchtling zu sein, diente Tory als existenzieller Ofen, in dem die durch Trennung, erzwungene Vertreibung und Verlust verursachten Emotionen schmolzen. Die kreative Auseinandersetzung mit dieser Erfahrung wurde für die Künstlerin zu einem Weg, um zu heilen und ein positives Lebensgefühl zu finden. Während der zwei Jahre im Exil gab es, wie Tory zugibt, „eine Veränderung des Fokus“. Die Konzentration auf das Positive, das Verdrängen des Dunklen an den Rand des Bewusstseins, hebt die negative Komponente der Existenz keineswegs auf, sondern verleiht den künstlerischen Ausdrucksformen nur mehr Tiefe.

„Focus“ ist die zweite Ausstellung von Tory in Berlin. Die erste Ausstellung in Berlin „To be born, to die, to be born, to die“ fand im August 2022 statt. Tory reiste im Frühjahr 2022 von Odessa nach Deutschland, auf der Flucht vor Raketenangriffen und der drohenden Besetzung durch russische Truppen. Die Künstlerin arbeitet derzeit in England.