Mit Face Off präsentiert die Vorona Galerie eine Ausstellung, die das Porträt als eines der traditionsreichsten Genres der Kunst neu befragt. Die Ausstellung vereint künstlerische Positionen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten: Anastasia Tory (Ukraine – Vereinigtes Königreich), Gabriel (Deutschland),
Andreas Geissel (Deutschland), Cristine Balarine (Brasilien – Italien), Sergio Gomez (Mexiko – USA) sowie Jens Joneleit (Deutschland).
Über Jahrhunderte hinweg war das Porträt ein Instrument der Repräsentation, der Erinnerung und der Identitätsstiftung. Herrscher und Aristokraten ließen sich darstellen, um Macht und Status zu manifestieren. Künstler porträtierten sich selbst und ihr Umfeld, um Präsenz und Blick festzuhalten — ein Versuch, Zeit anzuhalten. Mit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert verlagerte sich die Aufgabe der realistischen Abbildung zunehmend in den technischen Bereich. Im 21. Jahrhundert wird das menschliche Gesicht massenhaft durch Smartphone-Kameras festgehalten. Das realistische Porträt ist jederzeit verfügbar — und verliert damit seine Einzigartigkeit.
Wenn das äußere Erscheinungsbild keiner künstlerischen Vermittlung mehr bedarf, stellt sich eine grundlegende Frage: Was konstituiert ein Porträt in unserer Gegenwart? Wo verläuft die Grenze zwischen Gesicht und Bild? Zwischen äußerer Wiedererkennbarkeit und innerem Zustand? Wie lässt sich Identität darstellen, wenn nicht mehr durch mimetische Ähnlichkeit?

Face Off entfaltet sich als künstlerische Untersuchung dieser Fragen. Die Arbeiten in der Ausstellung zeigen eine große Bandbreite an Strategien: Verzerrung, Fragmentierung, Abstraktion, symbolische Verdichtung und emotionale Überlagerung.
Das Gesicht fungiert hier nicht mehr als Spiegel der physischen Erscheinung, sondern als Projektionsfläche, als Maske, als Spur oder als offenes Zeichen. Es wird zum Ort der Konfrontation — mit sich selbst, mit gesellschaftlichen Rollenbildern, mit dem Blick der Betrachter:innen.
