Zwischen Archäologie und Malerei
Die Skulpturen von Dmitry Schneerson wirken, als hätten sie schon immer existiert und seien vom Künstler lediglich entdeckt worden. Die Werke erzählen nicht vom Material – sie erzählen von der Zeit.

Die keramischen Objekte bewegen sich an der Schnittstelle von Archäologie, Malerei und Skulptur. Sie erinnern an architektonische Ruinen, versteinerte organische Formen und Fragmente einer Landschaft. Zugleich lassen sie sich als malerische Oberflächen wahrnehmen, auf denen Farbe nicht durch den Pinsel entsteht, sondern aus dem Prozess des Brennens selbst hervorgeht.
Diese Arbeiten erwecken den Eindruck von Objekten, die zahlreiche Zustände durchlaufen haben: als wären sie errichtet, zerstört, Wasser, Wind und Feuer ausgesetzt worden und hätten anschließend zu einer neuen Stabilität gefunden. So entsteht das Gefühl, nicht vor zeitgenössischer Keramik zu stehen, sondern vor einem Artefakt, das aus der Kulturschicht einer unbekannten Zivilisation geborgen wurde.
Dabei geht es dem Künstler nicht darum, archäologische Fundstücke zu imitieren. Vielmehr schafft er eine eigene materielle Realität, in der Zerstörung zu einem Prozess wird, aus dem neue Formen entstehen.
Trotz ihrer architektonischen Anklänge bewahren die Oberflächen eine beinahe körperliche Qualität. Sie erinnern an Baumrinde, vulkanisches Gestein, ausgetrocknete Erde, Korallen oder das Gewebe eines lebenden Organismus. Daraus entsteht eine permanente Spannung zwischen Natur und menschlichem Eingriff, zwischen Prozessen des Wachstums und des Zerfalls.



Die Form bleibt offen für Interpretationen und scheint sich in der Wahrnehmung des Betrachters weiter zu verändern, ohne ihren Ursprung jemals eindeutig preiszugeben.
Schneerson modelliert keine Form und bemalt keine Oberfläche. Er schafft eine Materie, in der die Zeit selbst zum Maler wird.